Restaurantkritiken aus Gronau/Westfalen


Villa Langenberg

Gildehauserstr. 26

Tel. 02562-818064

(Küche: International)

 

Kategorie: Mittel

Nach dem Betreten der Villa Langenberg wurde der Euroman bergrenzt freundlich von einer Servicekraft begrüßt, um dann sortiert zu werden. Ja, Sie lesen richtig. In der Villa Langenberg in Gronau/Westfalen lautet nämlich die erste Frage vom Service kurz und knapp: "Raucher oder Nichtraucher?

Hier in der Villa Langenberg kommt der Gast mit Lust (oder Sucht) auf Rauch also ohne den Gang vor das Restaurant aus, um seinem Genuß (oder Laster) nachgehen zu können bzw. zu müssen.

 

Vor dem Restaurant gibt übrigens der nett dekorierte Schaukasten einen ersten Vorgeschmack auf das, was den Gast speisentechnisch erwartet. Hier in der Villa ist die Speisekarte im positiven Sinne übersichtlich. Das ließ den Euroman auf eine gewisse Kochkunst hoffen. Wobei natürlich eine Speisekarte mit wenigen Gerichten nicht immer ein Zeichen von guter Küche sein muss. Der umgekehrte Fall (überladene Karte=schlechte Küche) trifft da allerdings meist des Pudels Kern.

 

Doch zurück zum Euroman, der sich schließlich entschied, die Eingangsfrage der Servicekraft mit Raucher zu beantworten. So saß der Euroman keine Minute später dann in einem mit braunem Kunstleder bezogenen Sessel, "bewunderte" die braunen Kunstleder-Platzsets auf dem Tisch und war von der Serviette, die zu einem Grill-Imbiss passender gewesen wäre, "entzückt.". Da hat vermutlich sogar Curry Heinz in Gelsenkirchen bessere.

Der Blick nach oben in die Mitte der Decke lohnte sich genauso wie auch in der Villa Westfalen. An der Wand erblickte der Euroman allerdings auch leichte Schäden und die aus den Boxen schallende, relativ laute, unsäglich unpassende Popdudelei im Zusammenspiel mit der Serviette, warf für den Euroman fast die Frage nach dem was ist, was will die Villa Langenberg eigentlich sein? Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Einen gewissen Charme und Stil hat das Ganze durchaus.

 

Gut, die Frage nach dem, was die Villa sein möchte muss hier nicht beantwortet werden und kann schließlich auch nur vom Betreiber selber beantwortet werden. Doch die Frage nach der Martinifalle kann hier beantwortet werden. Da die Karte nur von Martini sprach, der Service natürlich auch nicht erklärte, welcher überhaupt im Ausschank sei, blieb es spannend. Zugegeben, in etwa so spannend wie die Leistungen des Service. Denn dieser wirkte zeitweise hektisch, trotz nur mittelmäßig gefülltem Haus, trat zwar routiniert, aber eben auch mit wenig Ausstrahlung und wenig Wärme verbreitend auf. Werbeikonen für ein Restaurant bzw. ein Service mit Wiedererkennungseffekt treten anders auf. 

 

Bis der bestellte Martini und das Wasser für Eurowoman kam, verflog so manche Minute. Doch dann näherte sich das standesgemäße Glas für einen Martini mit der für den Euroman richtigen Sorte und der Restaurantinspektor bestellte zum einen das kleine Putenfilet mit Ananas, Pommes und Salat (14,-€) für Eurowoman und für sich selbst das Pfeffersteak (300g)mit Bratkartoffeln, Pfeffersauce und Salat (24,50€).

 

Mit dieser Bestellung sollte das große Warten beginnen. Dieses Warten auf die Hauptgerichte wurde zwar durch krosse Baguettebrotscheiben mit dreierlei Sorten von Saucen, die den Euroman alle nicht gerade vor Begeisterung in seinem Kunstledersessel zu dem Gedudel aus den Boxen wippen ließen und den anschließend gereichten Salaten (frische Paprika, Gurke und Blattsalatstreifen), die sich zugekleistert mit einem begrenzt schmackhaften Joghurtdressing präsentierten, unterbrochen.

Ihr Euroman sah schon von ganz weit her sein Fopzeichen drohen. Jedenfalls kratzte es bereits gewaltig.

Um sich das Warten auf die Hauptgerichte zu verkürzen, nahm sich der Euroman diesmal vor dem Essen die Toiletten vor. Dort ist die Villa Langenberg modern und eigentlich damit auch wieder etwas unpassend unterwegs. Denn diese moderne Farbgebung führt zu einem kleinen Bruch im Ambiente bezogen auf Gastraum und Toiletten.

Aber auch Modernes funktioniert nur, wenn Mensch die Sache auch wartet. Der volle Abfalleimer hätte nicht sein müssen. Genauso wenig wie der Gast, der als letzter die rechte Toilette benutzt hat. Denn dass die Spülung defekt war, hätte er auch dem Service sagen können. Andererseits hätte es der Service auch selber bemerkt, wenn er nach dem Rechten gesehen hätte.

War sonst noch was? Aber sicher! Nach 50 langen Minuten kamen sie endlich, die Hauptgerichte und jetzt, auf der Zielgeraden, würde sich endgültig entscheiden, ob die Villa Langenberg zum FLOPtaurant werden würde oder eben auch nicht.

 

Ein Berg von einem Steak mit guter Pfefferkruste lächelte den Euroman an. Die Bratkartoffeln waren okay in der handwerklichen Ausführung, hätten aber ruhig noch einen Pfannenkuss mehr vertragen können. Auch die Pommes waren einen Tick zu hell. Das Steak selbst war jedenfalls auf den Punkt Medium, so wie beim Service, nach dessen Frage, bestellt.

Die in einem Extraschälchen servierte Pfeffersauce mit fragwürdigen Paprikastreifen entpuppte sich jedoch eher als Paprikasauce mit einem Pfefferhauch. Das Putenfilet schwächelte, genau wie das Steak, nicht und gefiel Eurowoman durchaus.

Weniger gefallen haben allerdings beiden, dass beide Gerichte auf Tellern serviert wurden, die eiskalt waren.

Fazit: Die Villa Langenberg schrammt knapp am FLOPtaurant vorbei, rettet sich dank der Hauptgerichte knapp vor dem bösen Schildchen. Da fehlte jedoch nur ein kleines bißchen zum FLOPtaurant. Welten trennten die Villa Langenberg allerdings an diesem Testabend von einem TOPtaurant.

 

Ein sehr gutes Pfeffersteak mit einer tollen Pfeffersauce,  bekommen Sie übrigens im Gleis. Auf die Kunstledersessel müssen Sie dann zwar verzichten. Parken können Sie dafür dann aber direkt vor dem Restaurant, welches bei der Villa Langenberg eher Glückssache ist.

Das Ergebnis vom Erlebnis:


Essen: 7 Punkte

Service: 8 Punkte

Ambiente: 10 Punkte

Sauberkeit: 11 Punkte 


Gesamtpunktzahl: 9 von 15 Punkten

-durchwachsen-

 (Besucht im Dezember 2010)

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Die Testkriterien vom Restaurantinspektor finden Sie hier.